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Swiss Chinese Law Association — Genf

SCLA | Swiss Chinese Law Association

Aktuelles

Geschlechtergerechtigkeit bei internationalen Verhandlungen

23. Januar 2022

AUSGABE 4

Frauen, die an internationalen Friedensverhandlungen teilnahmen, wurden oft nicht wahrgenommen oder auf einer informellen Ebene gehalten. Bedeutende Beispiele sind Organisationen wieWomen of Liberia Mass Action for Peaceund SerbiensWomen in Black. Der Status von Frauen in internationalen Verhandlungen verändert sich jedoch weltweit. Als Joe Biden als nächster Präsident bestätigt wurde, wurde mit Katherine Tai eine asiatisch-amerikanische Frau als nächste US-Handelsbeauftragte nominiert. In der EU und in den Commonwealth-Ländern sind unterdessen viele Ministerinnen und Regierungschefinnen Frauen.

Dies ist selbstverständlich ein vielversprechender Trend für alle, die von diplomatischen oder rechtlichen Verhandlungen betroffen sind. Ursula von der Leyen, die derzeitige und erste weibliche Präsidentin der Europäischen Kommission, ist eine Schlüsselfigur auf Seiten der EU in den Gesprächen über die zukünftigen Beziehungen des Vereinigten Königreichs zu seinen Nachbarn. Sie gilt als die entscheidende Akteurin bei der Überwindung der Festgefahrenheit beim Handelsabkommen nach dem Brexit im Dezember 2020. Dies führte zu einem erfolgreichen Handelsabkommen vor Ablauf der Frist, während davon ausgegangen wurde, dass das Vereinigte Königreich erhebliche Zugeständnisse gemacht hat. In der Tat hat eine neue Studie des Graduate Institute in Genf gezeigt, dass eine wiederkehrende Auswirkung der Beteiligung von Frauen an internationalen Friedensverhandlungsprozessen eine abschliessende Anstrengung ist, Gespräche einzuleiten, wiederaufzunehmen oder abzuschliessen, wenn der Fortschritt zu stagnieren scheint.

Darüber hinaus hat diese Forschung gezeigt, dass Frauen oft einen besonderen konsensorientierten Ansatz in Politik, Diplomatie und Recht einbringen. Sie legt nahe, dass Frauen, wenn sie die Möglichkeit haben, bei Fragen der Sicherheit, der Justiz, der Wirtschaft und der Regierungsführung eine zentrale Rolle einzunehmen, den Fokus auf den Abschluss von Gesprächen und die Umsetzung von Vereinbarungen legen können. Aufgrund der Stellung der Frau in Gesellschaft und Wirtschaft tendieren sie dazu, direkt von allfälligen Friedensdividenden zu profitieren, die Arbeitsplätze schaffen oder öffentliche Dienstleistungen verbessern.

Da Frauen in ihren Gemeinschaften viele verschiedene Rollen einnehmen, vertrete ich die Auffassung, dass sie vielfältige Erfahrungen gesammelt haben, die sehr nützlich sind, um das Eis am Verhandlungstisch zu brechen. Der Gender-Effekt auf Verhandlungen lässt sich anhand geschlechtsspezifischer Stereotype veranschaulichen. Männer erwarten von Frauen beim Verhandeln oft, dass sie sich wie «Ladies» verhalten. Dementsprechend geben sie sich selbst «gentlemanhafter». Für Männer kann ein aggressives und energisches Auftreten in Verhandlungen als respektlos gegenüber Frauen angesehen werden. Wenn eine Verhandlungsführerin eine bestimmte Strategie anwendet, fällt es dem männlichen Verhandlungsführer möglicherweise schwerer, zurückzuschlagen, sodass er darauf beschränkt bleibt, der Seite der Frau einen Verhandlungsvorteil einzuräumen.

Um bei Verhandlungen ein besseres Ergebnis zu erzielen, muss man jede mögliche Strategie nutzen. Dazu gehört auch die Anpassung der Zusammensetzung eines Verhandlungsteams, um mehr Frauen einzubinden.

Bildnachweis:kentohunter Canva-Lizenz.