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Bitcoin-Vorstoss: Divergieren China und die NATO-Länder bei Kryptowährungen?

26. April 2021

Kürzlich bewerteten Anleger an der US-Börse Coinbase – eine grosse Börse für Kryptowährungen – mit $75,9 Milliarden bei seinem Nasdaq-Debüt, rund zwölf Jahre nach der Erschaffung von Bitcoin.

Man kann nicht anders, als sich zu fragen, woher all dieses Interesse und dieser Hype um solche Plattformen kommen. Haben die Marktspekulanten etwas in der Zukunft der Kryptowährungen gesehen, das dem Rest von uns entgangen ist?

Währungen existieren im Grunde, weil sie den Kauf von Waren und Dienstleistungen erleichtern. Eine «virtuelle Währung» impliziert jedoch zwei zusätzliche Konzepte: die Anonymität ihrer Inhaber und die Fähigkeit des Geldes, unabhängig von seiner Herkunft – ob legal oder illegal – stets frei zu zirkulieren.

Tatsache ist, dass es den Finanzmärkten nicht wirklich etwas ausmacht, ob Währungen als «virtuell» oder «real» bezeichnet werden. Ebensowenig kümmert es sie, ob Bitcoins, Ethereum oder Ähnliches zum Kauf «realer» Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

Welche Rolle haben das Recht und die Gesetzgeber unter diesen Umständen übernommen?

Es gibt drei bedeutende Beispiele dafür, wie Behörden in den USA, der Türkei und China in den letzten Jahren auf sehr unterschiedliche Weise eingegriffen haben, um dieses Thema anzugehen.

Im März 2018 bestätigte das Bezirksgericht von New York die Zuständigkeit der Commodity Futures Trading Commission und verlieh damit allen virtuellen Währungen gemäss dem Commodity Exchange Act den Status von Rohstoffen.

Gemäss diesem Urteil sollten virtuelle Währungen nicht zur Abwicklung von Standardtransaktionen verwendet werden, da ein Rohstoff im weitesten Sinne Güter wie Weizen und Baumwolle sowie die entsprechenden Handelsdienstleistungen, Rechte und Interessen umfasst.

Darüber hinaus hat die Türkei – die das grösste Volumen an Kryptowährungstransaktionen im Nahen Osten aufweist – kürzlich, per Verwaltungsverordnung, die Nutzung von Kryptowährungen für den Kauf von Waren und Dienstleistungen untersagt. Die Zentralbank des Landes erliess eine Verordnung zur Untersagung der direkten und indirekten Nutzung von Krypto-Aktivwerten als Zahlungsmittel mit der Begründung, dass die anonyme Nutzung virtuellen Geldes «nicht wiedergutzumachende Verluste verursachen kann». Ihre Nutzung würde «das Vertrauen in derzeit für Zahlungen verwendete Methoden und Instrumente untergraben», hiess es in einer Erklärung der Bank.

Dieses Ausmass an Unsicherheit und Unklarheit ist jedoch das genaue Gegenteil von dem, was wir in Ländern wie China finden, einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.

Während der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten vor einigen Monaten verschenkten beispielsweise mehrere Städte im ganzen Land Dutzende Millionen Renminbi als Neujahrs-«Rote Umschläge», die auf ein Smartphone heruntergeladen werden konnten.

Dies war mit Sicherheit eine lobenswerte Initiative, wenn auch vielleicht nicht ganz so aufregend für Menschen ohne Smartphone.

Tatsächlich scheinen die chinesischen Behörden über Feierlichkeiten und rote Umschläge hinaus den Weg geebnet zu haben für die Einführung eines «digitalen Renminbi» im grossen Stil und für die Schaffung einer «Central Bank Digital Currency» (CBDC).

Dieser «e-Yuan» würde von einer zentralen Regierungsbehörde beaufsichtigt, wodurch jegliche Anonymität aufgehoben würde – ein Schlüsselmerkmal im dezentralen Blockchain-Kassenbuch von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Die neue CBDC würde eine umfassende Prävention von Betrug oder Kriminalität bieten und unter anderem sämtliche Transaktionskosten senken.

Insbesondere würde die CBDC Pekings finanzielle Unabhängigkeit vom US-Dollar sichern und den Einfluss sowie die Kontrolle ausländischer Finanzinstitute eindämmen.

Wie fällt also die Bilanz bei Cyberwährungen aus? Über den klaren Auftrieb eines erheblichen finanziellen Gewinns hinaus ist China eindeutig daran interessiert, die Idee der virtuellen Währung zu testen und weiterzuentwickeln. Vielleicht sogar sehr stark im Vergleich zum restriktiven Ansatz in den USA und der Türkei.

Hinter verschlossenen Türen lässt sich leicht vorstellen, dass zwischen den Supermächten ein erbitterter Kampf um die Kontrolle der neuen Wirtschafts- und Finanzordnung tobt.