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«Diejenigen, die ihre Streitigkeiten während der Pandemie beigelegt haben, haben am meisten profitiert», so Hemann Knott darüber, wie man Freunde durch internationale Mediation nah bei sich behält.

11. November 2022

Hermann Knott darüber, wie man Freunde durch internationale Mediation nah bei sich behält.

Um Ihnen einen Vorgeschmack auf das heiss ersehnte International Mediator Leadership Training Programme von GIDI und SCLA in Chengdu zu geben, haben wir mit einem der Dozenten über seine Erfahrung und sein Wissen gesprochen: Dr. iur. Hermann J. Knott LL.M. (UPenn), Partner bei Kunz Rechtsanwälte.

Wir freuen uns sehr, dass Sie im Ausbildungsprogramm von GIDI und SCLA unterrichten werden, wie man ein besserer Mediator wird, Herr Dr. Knott. Können Sie uns zu Beginn etwas über sich und Ihre Erfahrungen mit der internationalen Mediation erzählen?

Hermann Knott: Ich bin deutscher Rechtsanwalt und auch in New York zugelassen. Ich habe Rechtswissenschaften in Köln, den USA und Genf studiert – bei Pierre Lalive, einem Urvater der internationalen Mediation – und später an der University of Pennsylvania, der University of Philadelphia sowie der Stanford Law School. Als 1989 die Berliner Mauer fiel, arbeitete ich in New York bei der Kanzlei Cleary Gottlieb. Meine Arbeit war also schon immer international.

Danach war ich im Bereich Corporate Litigation tätig, bevor ich Mitte der 2010er-Jahre mit einem grossen Fall beim SIAC in Singapur zwischen einem Schweizer und einem malaysischen Unternehmen zur Schiedsgerichtsbarkeit und Mediation zurückkehrte. Dabei kamen alle erdenklichen Fragen der Schiedsgerichtsbarkeit ins Spiel.

Der Fall zog sich von 2014 bis 2017 hin, und dabei lernte ich den Wert der Mediation kennen: Wir hatten ein dreijähriges Schiedsverfahren geführt, konnten den Schiedsspruch aber nicht vollstrecken, weil die Beklagte im Grunde insolvent war. Es gab drei Jahre lang Kosten für einen Schiedsspruch, der nicht vollstreckt werden konnte. Warum also nicht produktiver sein und Mediation nutzen? Von da an begann ich, mich aktiv für Mediation zu interessieren und darin tätig zu werden.

Wir unterscheiden immer zwischen Transaktionsanwälten und Prozessanwälten, aber im Grunde hängen sie zusammen. Denn wann verhindert man Streitigkeiten? Wenn man Verträge entwirft! Man nimmt Streitigkeiten vorweg und sieht daher vertragliche Klauseln vor, um sie zu vermeiden. Und deshalb halte ich Mediation für so wichtig. Sie bildet das Herzstück zwischen Prozessführung und Schiedsgerichtsbarkeit auf der einen Seite und der Vertragsgestaltung auf der anderen Seite.

Wie unterscheidet sich die Mediation Ihrer Meinung nach von anderen ADR-Methoden?

HK: Mediation ist die flexibelste Option zur Beilegung von Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen, weil sie an jedem Punkt ansetzen kann. Sie kann während eines Gerichtsverfahrens zum Tragen kommen, wenn der Richter sagt: «Möchten Sie nicht eine gütliche Einigung in Betracht ziehen?», da der Vergleichsprozess im Grunde Mediation ist. Es gibt auch die ganze Diskussion rund um Arb-Med-Arb, bei der es darum geht, wie man von der Schiedsgerichtsbarkeit zur Mediation gelangt. Singapur ist eines der prominentesten Zentren, das hierfür mit dem SIAC – der Schiedsinstitution – und dem SIMC – der Mediationsinstitution – eine Lösung anbietet. Sie sehen also, dass Mediation stets das flexibelste Element bei Verhandlungen und der Streitbeilegung ist.

Wie beurteilen Sie die Mediation aus internationaler Wirtschaftsperspektive?

HK: Ihr Wert war noch nie so hoch wie heute. Weil die Lieferketten durch Covid unterbrochen wurden, was bei vielen Unternehmen zu Streitigkeiten über höhere Gewaltführte, hat die Pandemie gezeigt, wie wichtig es ist, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sie nicht durch konfrontative Gerichtsverfahren zu zerstören. Mediation hilft Ihnen, Beziehungen aufrechtzuerhalten, selbst wenn Streitigkeiten entstehen. Wenn man immer zu konfrontativen Verfahren greift, hat man am Ende weder Freunde noch Geschäftspartner. Diejenigen, die ihre Streitigkeiten während der Pandemie beilegten, florierten am meisten.

Wie können die Beziehungen zwischen China und Europa von Mediation profitieren?

HK: Mediation kann einen enormen Beitrag zu Geschäftsbeziehungen leisten und ein Vorbild für andere Akteure in den chinesisch-europäischen Beziehungen sein. Mediation hat in China einen sehr starken kulturellen Hintergrund, und sowohl China als auch Europa blicken auf eine langjährige gemeinsame Geschichte und Beziehung zurück.

Wenn wir Mediation in der Wirtschaft einsetzen, ist das auch eine fantastische Grundlage für den politischen, kulturellen und allgemeinen wirtschaftlichen Bereich. Ich glaube, wir würden enorm zu einer neuen oder besseren Grundlage für diese Beziehungen beitragen. Es stärkt die Fähigkeit des Zuhörens und Verstehens sowie die Art und Weise, wie wir kommunizieren.

Was kann eine Qualifikation als Mediator bei GIDI zur internationalen Karriere eines Juristen beitragen?

HK: Eine GIDI-Zertifizierung ist eine seltene Gelegenheit, die eine echte interkulturelle Ausbildung bietet. Sie verleiht ein offenes Ohr und Feingefühl für das Wesen des Konflikts, denn Mediation ist interkulturell und dreht sich darum, die Menschen zu verstehen, die mit dem konkreten Streitfall verbunden sind.

Niemand ist dafür besser gerüstet als GIDI mit seinem rein internationalen Hintergrund und seiner starken Einbindung von chinesischen Parteien sowie Parteien aus anderen Rechtsordnungen und Kulturkreisen. Es gibt nur sehr wenige Institutionen, die eine Ausbildung ermöglichen, die so stark interkulturell ausgerichtet ist wie bei GIDI.

Was ist Ihre Botschaft an die Teilnehmenden unseres Ausbildungsprogramms?

HK: Ich kann nur wärmstens dazu ermutigen, an dieser Ausbildung teilzunehmen, da es eine seltene Gelegenheit ist, vor einem interkulturellen Hintergrund an praxisnahen Konfliktsituationen zu arbeiten, zu trainieren und darüber nachzudenken. Die Referenten, Dozenten und Teilnehmer werden hervorragende Arbeitsgruppen bilden. Es wird weniger ein reiner Unterricht sein, sondern vielmehr ein Austausch mit Fallstudien und praktischer Ausrichtung.

Vielen Dank, Herr Dr. Knott! Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören, wie Sie diese Themen in Ihren Vorlesungen im Rahmen des Ausbildungsprogramms vertiefen.

Wenn Ihnen diese Einblicke darüber gefallen haben, wie Mediation die Art und Weise verändert, wie wir Geschäfte tätigen, und Sie erfahren möchten, wie Sie am nächsten International Mediator Leadership Training Programme von GIDI und SCLA teilnehmen können, folgen Sie diesem Link.