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Swiss Chinese Law Association — Genf

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Rechtsbeobachtung / Nachhaltigkeit und Verantwortung

Erläutert Europäische Union Regulatorische Leitlinien

Keynote-Rede der EZB-Bankenaufsicht behandelt Klima- und Naturrisiken, planetare Grenzen und Lücken bei Szenarioanalysen im Bankensektor

Frank Elderson hielt eine Keynote-Rede, in der er betonte, dass beaufsichtigte europäische Banken ihre Szenarioanalysen anpassen müssen, um nichtlineare Klima- und Naturrisiken zu erfassen und Abdeckungslücken in ihrem ICAAP zu schliessen.

Was sich geändert hat

  • Frank Elderson hielt eine Keynote-Rede auf der Konferenz der ECB und der Bank of England, in der er hervorbob, dass sieben von neun planetaren Grenzen überschritten wurden.
  • Daten zeigten, dass bedeutende beaufsichtigte Banken seit 2022 durchgehend über 70 % ihrer Zinseinnahmen aus kohlenstoffintensiven Sektoren erzielt haben.
  • Szenarioanalysen decken in den ICAAPs nur in rund 15 % der Fälle alle wesentlichen Klima- und Naturrisikotreiber ab, was Forderungen nach angepassten Bankenmodellen laut werden lässt.

# Management von Klima- und Naturrisiken im Bankensektor: Regulatorische Erkenntnisse der Europäischen Zentralbank

## Hintergrund

Am 14. Oktober 2026 hielt Frank Elderson, Mitglied des Direktoriums und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank (ECB), eine Keynote-Rede auf der gemeinsamen Konferenz der ECB und der Bank of England in Frankfurt am Main, Deutschland. Die Konferenz brachte multidisziplinäre Experten aus 18 Ländern von drei Kontinenten zusammen, um sich mit den sich entwickelnden Finanz- und Stabilitätsherausforderungen durch die Umweltzerstörung zu befassen.

Das zentrale Thema der Rede konzentrierte sich auf das Management von Klima- und Naturrisiken (C&N) in einer zunehmend nichtlinearen Welt, die von radikaler Unsicherheit geprägt ist. Die globale Umweltzerstörung hat kritische Schwellenwerte erreicht; Indikatoren zeigen, dass sieben der neun anerkannten planetaren Grenzen bereits überschritten wurden. Darüber hinaus kommen die Erkenntnisse des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) mit hoher Gewissheit zu dem Schluss, dass die anhaltende globale Erwärmung zu einem weiteren Auftauen des Permafrosts führen wird, wodurch zusätzlicher Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt. Unter ungünstigen Prognosen könnten die eigenen Sekundäremissionen der Natur—resultierend aus auftauendem Permafrost oder weitflächigen Waldbränden—bis zu zusätzliche 0,6 °C zur globalen Erwärmung beitragen. Diese physischen Realitäten haben schwerwiegende, systemische Auswirkungen auf Finanzinstitute, Bankenaufsicht und Kapitalmanagement-Rahmenwerke in der Europäischen Union und international.

## Kategorisierung von Klima- und Naturrisiken: Known Knowns vs. Known Unknowns

Um einen strukturierten Ansatz für die aufsichtliche Überwachung und das institutionelle Risikomanagement zu etablieren, kategorisiert die Rede Klima- und Naturrisiken in zwei verschiedene analytische Rahmenwerke:

1. **Known Knowns**: Diese Kategorie umfasst messbare, quantifizierbare historische Daten und aktuelle empirische Auswirkungen. Dazu gehören beobachtete physische Vermögenszerstörungen, dokumentierte Extremwetterereignisse, historische regulatorische Anpassungen und direkte finanzielle Verluste, die bereits in den Bilanzen erfasst sind.

2. **Known Unknowns**: Dieser Bereich repräsentiert komplexe, nichtlineare physische Dynamiken, bei denen grundlegende Treiber erkannt werden, aber der genaue Zeitpunkt, das Ausmass oder mathematische Wahrscheinlichkeiten nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden können. Wichtige Beispiele sind ökologische Kipppunkte—wie das potenzielle Absterben des Amazonas-Regenwaldes oder der Zusammenbruch der Atlantischen Umwälzbewegung (AMOC)—sowie kombiniertes Geschehen und schwerwiegende Störungen mehrerer Systeme über überschrittene planetare Grenzen hinweg.

Da sich die traditionelle Finanzmodellierung stark auf historische Daten stützt, haben Standardmethodiken Schwierigkeiten, die nichtlineare, sich kumulierende Natur von 'Known Unknowns' zu erfassen. Folglich betonen die Aufsichtsbehörden, dass Finanzinstitute ihre analytischen Rahmenwerke über lineare historische Extrapolationen hinaus weiterentwickeln müssen.

## Aktuelle Bankpraxis und Modellgrenzen

Trotz wachsender regulatorischer Aufmerksamkeit bestehen weiterhin erhebliche operative Lücken bei der Einbindung von Klima- und Naturrisiken in die zentralen Risikomanagementprozesse von Finanzinstituten. Die auf der Konferenz vorgestellten Daten zeigen, dass der durchschnittliche Anteil der Zinseinnahmen aus kohlenstoffintensiven Sektoren bei bedeutenden, von der ECB beaufsichtigten Banken seit 2022 durchgehend über 70 % lag. Diese hohe Exposition unterstreicht die anhaltende strukturelle Verwundbarkeit grosser europäischer Kreditinstitute gegenüber Transitions- und physischen Risikoschocks.

Darüber hinaus bleiben die aktuellen Branchenpraktiken bezüglich Kapitalplanung und Risikobeurteilung eng gefasst. Klimastresstests und Szenarioanalysen decken derzeit nur in rund 15 % der Fälle alle Risikotreiber ab, die die beaufsichtigten Banken selbst in ihrem internen Prozess zur Beurteilung der Angemessenheit der Kapitalausstattung (ICAAP) als wesentlich erachten.

Beobachtungen der Aufsicht heben kritische Grenzen konventioneller Klimaszenariomodelle hervor, einschliesslich der vom Network for Greening the Financial System (NGFS) und im Rahmen des IPCC entwickelten Modelle:

- **Ausschluss von Nichtlinearitäten**: Standardmodellierungsinstrumente gehen häufig von linearen Übergängen und schrittweisen makroökonomischen Anpassungen aus und spiegeln schwerwiegende, abrupte Kipppunkte nicht wider.

- **Unterschätzung von kombinierten Risiken**: Modelle analysieren einzelne Risikofaktoren oft isoliert und vernachlässigen miteinander verbundene Rückkopplungsschleifen über mehrere überschrittene planetare Grenzen hinweg.

- **Bedarf an Modellanpassung**: Beaufsichtigte Institute müssen vorgefertigte Klimaszenarien aktiv anpassen, um Modellgrenzen, extreme Stressbedingungen und nichtlineare wirtschaftliche Übertragungskanäle zu berücksichtigen, anstatt sich ausschliesslich auf unveränderte Basisergebnisse zu verlassen.

## Praktische Implikationen für beaufsichtigte Institute

Für Finanzinstitute signalisieren regulatorische Leitlinien und Aufsichtsbeobachtungen die Notwendigkeit, die Risikomanagement- und Kapitalbewertungsinfrastruktur zu modernisieren. Beaufsichtigte Einheiten sehen sich folgenden Erwartungen der Aufsicht gegenüber:

- **Umfassende ICAAP-Integration**: Erweiterung der internen Kapitalausstattungsrahmenwerke, um alle wesentlichen Klima- und Naturrisikotreiber systematisch abzudecken und die aktuelle Branchenpraxis über den beobachteten Schwellenwert von 15 % zu heben.

- **Verfeinerung der Szenarioanalyse**: Anpassung der Klimastresstest-Methodiken zur Berücksichtigung extremer Bedingungen, Nichtlinearitäten und sekundärer naturbasierter Rückkopplungsschleifen.

- **Sektorale Expositionsstrategie**: Aktive Überwachung und Steuerung von Bilanzkonzentrationen in kohlenstoffintensiven Sektoren, da über 70 % der Zinseinnahmen bedeutender Banken nach wie vor an kohlenstoffintensive Industrien gebunden sind.

## Häufig gestellte Fragen

**F1: Welchen Anteil ihrer Zinseinnahmen beziehen bedeutende beaufsichtigte Banken aus kohlenstoffintensiven Sektoren?**

Seit 2022 liegt der durchschnittliche Anteil der Zinserträge, die von bedeutenden, von der EZB beaufsichtigten Banken in kohlenstoffintensiven Sektoren erwirtschaftet werden, durchgehend bei über 70 %.

**F2: Wie viele planetare Grenzen wurden gemäss der Präsentation bereits überschritten?**

Gemäss den auf der Konferenz vorgelegten Informationen wurden bereits sieben der neun planetaren Grenzen überschritten.

**F3: Wie häufig decken die Klimastresstests und Szenarioanalysen der Banken alle von ihnen selbst als wesentlich identifizierten Risikotreiber ab?**

Klimastresstests und Szenarioanalysen decken in etwa 15 % der Fälle alle Risikotreiber ab, die die Banken im Rahmen ihres internen Prozesses zur Sicherstellung der Kapitaladäquanz (ICAAP) selbst als wesentlich identifizieren.

**F4: Welchen zusätzlichen Temperaturanstieg könnten die eigenen Emissionen der Natur in einem ungünstigen Szenario verursachen?**

Gemäss den Schlussfolgerungen des IPCC und den in der Rede zitierten Daten könnten die eigenen Emissionen der Natur — wie jene aus dem Auftauen von Permafrostböden oder Waldbränden — in einem ungünstigen Szenario zu einer zusätzlichen globalen Erwärmung von bis zu 0,6 °C führen.

**F5: Was sind «bekannte Unbekannte» im Kontext von Klima- und Naturrisiken?**

«Bekannte Unbekannte» beziehen sich auf Risikofaktoren wie ökologische Kipppunkte (z. B. das Absterben des Amazonas-Regenwaldes oder der Zusammenbruch der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation), kombinierte Ereignisse und komplexe Wechselwirkungen zwischen den planetaren Grenzen, bei denen die zugrunde liegenden Dynamiken zwar anerkannt sind, der genaue Zeitpunkt, das Ausmass oder die Wahrscheinlichkeiten jedoch ungewiss bleiben.

Wer betroffen sein kann

Bedeutende beaufsichtigte Banken in der Europäischen Union, Risikomanagement-Beauftragte von Banken, Finanzaufsichtsbehörden und Institutionen, die in kohlenstoffintensiven Sektoren tätig sind.

Grenzüberschreitender Kontext

Die Rede wurde auf einer gemeinsamen Konferenz der Europäischen Zentralbank und der Bank of England in Frankfurt am Main gehalten, an der Experten aus 18 Ländern von drei Kontinenten teilnahmen.

Was als Nächstes zu prüfen ist

  • Zukünftige Aktualisierungen der Leitlinien des EZB-Aufsichtsrates zu Klima- und Naturrisiken sowie zu den ICAAP-Bewertungskriterien.
  • Veröffentlichung des vollständigen Transkripts zur Überprüfung des unvollständigen Schlusssatzes, der im Quelltext der Rede abgebrochen ist.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Ziehen Sie den offiziellen Text zu Rate und holen Sie bei Bedarf eine auf Ihre Situation abgestimmte Beratung ein.

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