Was sich geändert hat
- Die FINMA-Umfrage 2025 unter rund 400 Schweizer Instituten ergab, dass die Institute durchschnittlich 5 aktive KI-Anwendungen betreiben und 9 weitere entwickeln, wobei vorwiegend generative KI für nicht-kritische Arbeitsabläufe eingesetzt wird.
- Die FINMA bekräftigte, dass die rechtliche Verantwortung nicht an Algorithmen delegiert werden kann, und warnte vor systemischen Risiken durch Anbieterkonzentration und KI-gestützten Betrug.
- Die FINMA stellte «Subsuma» vor, ein KI-Pilotprojekt, das Open-Source-Modelle nutzt – einschliesslich des in der Schweiz entwickelten Modells Apertus –, um Fintech-Lizenzierungsgesuche zusammenzufassen und zu bewerten, während die schlussendlichen Entscheidungen strikt bei menschlichen Experten verbleiben.
### Hintergrund: KI im Schweizer Finanzmarkt
Finanzdienstleistungen bewegen sich an der Schnittstelle von intensiver Datenverarbeitung, Ausführungsgeschwindigkeit und öffentlichem Vertrauen. Anlässlich des Digital Finance Day der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) betonte Marlene Amstad, Präsidentin der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA), dass der Finanzsektor stärker von künstlicher Intelligenz (KI) betroffen ist als die meisten anderen Branchen. Da das Bankgeschäft stark auf die Verarbeitung unstrukturierter Daten angewiesen ist – wie Texte in Hypothekardokumenten, Unternehmensdokumentationen, Kunden-Onboarding-Videos und E-Mails –, stellt die rasche Entwicklung generativer KI-Tools eine strukturelle Transformation der Entscheidungsfindung dar.
Der Schweizer Finanzmarkt, der globale Institute, Regionalbanken, Versicherer, Vermögensverwalter und Fintech-Start-ups umfasst, dient als natürliches Labor für finanzielle KI-Anwendungen. Die FINMA beobachtet die Akzeptanz in der Branche seit 2021 durch Umfragen. Ihre Umfrage 2025 umfasste rund 400 Beaufsichtigte – darunter Banken, Wertpapierhäuser, Versicherer, Fondsleitungen, Vermögensverwalter und Finanzmarktinfrastrukturen –, um die aktuelle Landschaft des KI-Einsatzes zu evaluieren.
### Wichtigste Umfrageergebnisse und Aufsichtserwartungen
Die FINMA-Umfrage 2025 zeigte drei Haupttrends im gesamten Schweizer Finanzsektor:
1. **Hohe Dynamik**: Beaufsichtigte Institute betreiben durchschnittlich fünf aktive KI-Anwendungen und entwickeln aktiv neun weitere, wobei grössere Unternehmen ein deutlich schnelleres Tempo vorlegen.
2. **Breiter Einsatz in Anwendungsfällen mit geringer Kritikalität**: Über 90 Prozent der KI-nutzenden Institute setzen moderne generative Methoden ein. Die Implementierung konzentriert sich stark auf Aufgaben in frühen Phasen und mit geringerer Kritikalität wie kundenorientierte Chatbots, Textgenerierung und allgemeine Prozessoptimierung. Kernprozesse wie automatisierte Kreditentscheide oder die Berechnung regulatorischer Kennzahlen werden mit grösserer Zurückhaltung angegangen.
3. **Lücken bei Governance und Abhängigkeiten**: Nur etwa die Hälfte der KI-nutzenden Institute hat KI in eine explizite KI-Strategie eingebunden. Die meisten verlassen sich auf externe Softwareanbieter, die sich zunehmend auf eine kleine Gruppe grosser Technologieunternehmen konzentrieren.
Die FINMA warnte, dass eine starke Abhängigkeit von einer begrenzten Anzahl von Technologieanbietern systemische Konzentrationsrisiken birgt; ein Ausfall oder ein Fehler in einem einzigen weit verbreiteten Modell zur Risikobewertung oder Betrugserkennung könnte die allgemeine Finanzstabilität gefährden. Zudem bekräftigte die FINMA im Zuge der Erforschung von «agentischer KI» durch Institute – Systeme, die Aufgaben selbstständig planen, ausführen und verketten – ein grundlegendes Prinzip: **Die Verantwortung kann nicht an einen Algorithmus delegiert werden**. Finanzinstitute bleiben für alle von ihnen eingesetzten KI-Tools voll verantwortlich, unabhängig davon, ob diese intern entwickelt oder extern erworben wurden.
### Dual-Use-Risiken: Cyberangriffe und digitaler Betrug
Die FINMA betonte, dass ein erheblicher Teil der KI-bezogenen Risiken für Finanzinstitute nicht aus ihrer eigenen operationalen Nutzung stammt, sondern von böswilligen Dritten, welche die Technologie ausnutzen. Als Dual-Use-Technologie verbessert KI sowohl die Abwehr von Cyberrisiken als auch die Taktiken von Cyberangriffen. Fortschrittliche Modelle können unbekannte Software-Schwachstellen entdecken und rasch funktionierende Exploits erstellen, was das Zeitfenster, das den Instituten zur Behebung bekannter Software-Schwachstellen bleibt, drastisch verkürzt.
Gleichzeitig haben KI-Tools die Angriffsflächen für digitalen Betrug erweitert. Unter Berufung auf Daten aus Interpol-Analysen zu weltweiten Bedrohungen durch Finanzbetrug stellte die FINMA fest, dass KI-gestützte Betrugsoperationen etwa viereinhalb Mal profitabler sind als traditionelle Methoden. Zu den häufigen kriminellen Anwendungen gehören synthetische Stimmimitationen bei Zahlungsaufträgen, Identitätsbetrug beim digitalen Onboarding und Echtzeit-Phishing. Obwohl die FINMA im Frühjahr 2026 eine Aufsichtsmitteilung zu digitalen Betrugsrisiken herausgegeben hat, deckte die Umfrage 2025 anhaltende Abwehrlücken auf, wobei ein beträchtlicher Teil der Institute über keine dedizierten Richtlinien für digitalen Betrug oder verantwortliche Aufsichtsgremien verfügt.
### KI in der FINMA-Aufsicht: Der Lizenzierungs-Prototyp «Subsuma»
Die FINMA integriert KI auch intern, um die Effizienz und Wirksamkeit der Aufsicht zu steigern. Während sich bestehende interne Tools auf Dokumentenanalyse-Pipelines und die Erkennung von Anomalien vor Prüfungen konzentrieren, stellte die FINMA einen neuen Prototyp namens **Subsuma** vor, der bei externen regulatorischen Bewertungen unterstützt.
Jedes Jahr konsultieren fast 100 Fintech-Start-ups die FINMA, um zu klären, ob ihre Geschäftsmodelle eine gesetzliche Bewilligung oder ein regulatorisches Set-up erfordern. Der Prototyp Subsuma unterstützt die Aufseher durch:
* Analyse schriftlicher Anfragen zur Extraktion wichtiger, für rechtliche Beurteilungen relevanter Geschäftsmodellelemente.
* Bewertung des Geschäftsmodells anhand gesetzlicher Lizenzierungsbestimmungen und Bereitstellung nachvollziehbarer Quellenangaben zum Falldossier.
* Betrieb auf der internen Hardware der FINMA unter Verwendung von drei verschiedenen Open-Source-Sprachmodellen zur Wahrung der technischen Unabhängigkeit.
Eines der Kernmodelle, die innerhalb von Subsuma getestet werden, ist **Apertus**, ein vollständig offenes, transparentes und mehrsprachiges Sprachmodell, das in der Schweiz von der ETH Zürich, der EPFL und dem Swiss National Supercomputing Centre entwickelt wurde. Die Evaluation des Prototyps basiert auf Blindtests durch FINMA-Experten sowie auf modellübergreifenden Bewertungen.
Die FINMA betonte, dass Subsuma strikt als unterstützendes Instrument fungiert. Nach dem prinzipienbasierten Schweizer Finanzmarktrecht erfordern Verwaltungsverfügungen eine menschliche rechtliche Auslegung und Kontextualisierung. Die FINMA bestätigte, dass keine offizielle Mitteilung oder regulatorische Entscheidung ohne fachkundige menschliche Überprüfung und Unterschrift ergehen wird.
### Häufig gestellte Fragen
**Was waren die wichtigsten Ergebnisse der FINMA-KI-Branchenumfrage 2025?**
Die Umfrage unter rund 400 Schweizer Instituten zeigte eine hohe Dynamik bei der Einführung: Die Institute betreiben durchschnittlich fünf KI-Anwendungen und entwickeln neun weitere. Über 90 Prozent der KI-nutzenden Institute setzen auf generative Methoden für Aufgaben mit geringer Kritikalität wie Chatbots und Textgenerierung. Allerdings verfügt nur die Hälfte über eine explizite KI-Strategie, und die Abhängigkeit von einer kleinen Gruppe von Technologieanbietern birgt ein systemisches Konzentrationsrisiko.
**Können Schweizer Finanzinstitute die rechtliche Verantwortung an KI-Algorithmen delegieren?**
Nein. Die FINMA hat ausdrücklich klargestellt, dass die Rechenschaftspflicht nicht an einen Algorithmus oder ein agentisches KI-System delegiert werden kann. Die Institute bleiben für Zweck, Grenzen und Ergebnisse aller von ihnen eingesetzten KI-Anwendungen vollumfänglich verantwortlich.
**Was ist der neue KI-Prototyp 'Subsuma' der FINMA?**
Subsuma ist ein interner KI-Prototyp, der FINMA-Spezialisten dabei unterstützen soll, Lizenzierungsanfragen von jährlich rund 100 Fintech-Start-ups zu beurteilen, indem Geschäftsmodelle zusammengefasst und mit vollständiger Rückverfolgbarkeit der Quellen auf die gesetzlichen Lizenzierungsvoraussetzungen geprüft werden.
**Welches Schweizer Open-Source-KI-Modell wird im Rahmen des Subsuma-Projekts getestet?**
Die FINMA testet **Apertus**, ein offenes, transparentes und mehrsprachiges Sprachmodell, das von der ETH Zürich, der EPFL und dem Swiss National Supercomputing Centre entwickelt wurde.
**Welche Risiken hebt die FINMA im Zusammenhang mit KI-gestütztem Finanzbetrug hervor?**
Die FINMA hob hervor, dass böswillige Akteure KI für Echtzeit-Phishing, Stimmfälschung bei Zahlungsaufträgen und Identitätsbetrug beim digitalen Onboarding nutzen. Gemäss von der FINMA zitierten Interpol-Daten ist KI-gestützter Betrug viereinhalb Mal profitabler als herkömmlicher Betrug.
Wer betroffen sein kann
Schweizer Banken, Versicherer, Vermögensverwalter, Wertpapierhäuser, Fondsleitungen, Finanzmarktinfrastrukturen, Fintech-Start-ups und Technologieanbieter.
Grenzüberschreitender Kontext
Gilt innerhalb der Schweiz unter der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, unter Bezugnahme auf internationale Bedrohungsdaten von Interpol und Abhängigkeiten von globalen Technologieanbietern.
Was als Nächstes zu prüfen ist
- Künftige FINMA-Publikationen bezüglich Aktualisierungen des KI-Prototyps Subsuma und dessen Übergang zu grösseren Modellen verfolgen.
- Die im Frühjahr 2026 veröffentlichten FINMA-Aufsichtsmitteilungen zu den Risiken des digitalen Betrugs auf spezifische Compliance-Erwartungen hin überprüfen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Ziehen Sie den offiziellen Text zu Rate und holen Sie bei Bedarf eine auf Ihre Situation abgestimmte Beratung ein.